Interview mit Pädagogin und Gründerin des Familieninstituts Heike vom Heede

 

Was sind deine Tipps für die letzte Wochen vor der Geburt, bzgl. Ernährung und Bewegung?

 

Ganz wichtig ist Bewegung, dass man nicht nur sitzt aber auch nicht nur läuft, sondern dass man auch etwas mit dem Oberkörper macht, soweit das geht. Man kann zu Hause darauf achten unterschiedliche Positionen einzunehmen, z.B. Vierfüßlerstand, rechte Seite, linke Seite und Tanzen. Tanzen ist etwas, dass ich sehr gerne empfehle. Vor allem die Bewegungen aus dem Bereich Bauchtanz eignen sich da sehr schön. Beim Spazierengehen kann man zudem darauf achten, dass man sich auch ein Stück weit belastet, dass man im Tempo variiert und Pausen einplant. Frische Luft kann man nie genug bekommen.

Zum Thema Ernährung empfehle ich immer sich die Frage zu stellen: Wie möchte ich denn mein Kind ernähren? So kann ich mich dann auch schon in der Schwangerschaft ernähren. Morgens Porridge, mittags Gemüse und zwischendurch ein bisschen Obst. Mittags kann man wirklich auch mal auf einen Eintopf zurückgreifen. Gerade zu Ende der Schwangerschaft empfiehlt es sich vor allem die Kohlehydrate ein wenig zu reduzieren und sich basisch zu ernähren, aber immer in Kombination mit viel trinken. Da empfiehlt sich Tee und Wasser.

 

 

Sollte ich, wenn das Baby eher etwas schmaler und kleiner ist trotzdem in den letzten 4 Wochen die basische und kohlenhydratarme Ernährung einhalten?

 

Das Baby bekommt in den Falle der Ernährungsumstellung natürlich auch weniger Kolorieren aber wenn du dich gut ernährst und Getreide oder einen dicken Eintopf zwischendurch isst oder mal eine Pasta dann kannst du dich so auch sehr nahrhaft ernähren. Den industriellen Zucker würde ich dann reduzieren, natürlich darf man bei Heißhunger auf etwas Süßes mal etwas naschen.

 

Im Falle einer Schwangerschaftsdiabetes stelle ich es mir nochmal schwerer vor, seine Ernährung gut einzustellen. Was empfiehlst du in diesem Fall?

 

Diabetes gehört in ärztliche Hände! Der Arzt oder auch das Testzentrum haben Kontakte zu Ernährungsberatern, das ist ganz wichtig keine eigenen Experimente zu machen, sondern den Plan ganz gut abzusprechen, damit euch keine Nährstoffe fehlen. 

 

Die Corona-Krise macht aktuell ja viele Angebote wie Schwangerschaftsyoga in der Gruppe, Aquafit oder Babygymnastik nicht möglich. Hast du Ideen für alternative Angebote für das Baby, ab wann startet man damit und hast du auch eine Empfehlung bzgl. Rückbildung?

 

Was super ist, wo wir wirklich im Team tolle Rückmeldungen bekommen ist unsere Babygymnastik über Zoom. Es ist natürlich ein Live-Termin per Zoom in der Gruppe, was aber den Vorteil hat, dass du den Austausch mit anderen Müttern hast. Wir verabreden die auch untereinander, versuchen da Kontakte herzustellen, dass man mal zu zweit eine Runde spazieren geht. Das sind Wege die man gut nutzen kann.

Ab der 6. Woche kann man die Babygymnastik beginnen, man kann sich vorher schon anmelden, da es auch mal eine kurze Wartezeit geben kann.

Wir planen auch einen Abend für Schwangere zum Austausch und für Fragen. Ich merke das aber schon in den Kursen „Eltern werden“ und auch in der Geburtsvorbereitung wie das untereinander in der Kommunikation klappt. Es ist zwar nicht genau wie prÄsent aber es ist dennoch schön sich so auszutauschen.

Zum Thema Rückbildung kann ich wirklich sagen: Sucht euch immer einen Kurs der rein auf die Rückbildung spezialisiert ist. Kein Kombiangebot mit Mama und Baby sondern die Zeit nur für dich in dem Moment.

Wen ich wirklich empfehlen kann ist Anke von der Schulenburg, sie ist Physiotherapeutin und hat sich auf das Thema Beckenbogen spezialisiert. Ihre Kurse laufen aktuell über Zoom und die Rückmeldungen hierzu sind sehr gut. Wichtig ist wirklich, dass man zügig nach der Geburt damit startet, sobald man sich körperlich in der Lage fühlt.

(Links zu den Kursen unter dem Artikel) 

 

Wir fragen uns oft als Paar wie so die erste Zeit zu Hause aussehen kann oder was da beachtet werden muss. Wir planen unser Baby im Geburtshaus zu bekommen und nach wenigen Stunden nach Hause zu fahren. Ich denke gerade in der aktuellen Pandemie planen auch viele andere werdenden Eltern eine ambulante Geburt.

Was stellt man mit so einem kleinen Würmchen an? Gibt es einen roten Faden?

 

Man handelt sehr viel nach Instinkt. Es ist wichtig, dass du das machst was für viel Ruhe sorgt. Handy aus, alles weglegen, keine Besuche. Einfach einen Lieblingsplatz zu Hause aussuchen und sich dort hinlegen, hinsetzen und die kleine Maus erstmal in Ruhe ankommen lassen, ganz viel kuscheln und kennenlernen.

Ihr könnt jetzt schon gemeinsam Überlegen „Wo bestellen wir Essen“, „Was kochen wir vor“, „Was kocht dein Mann in den ersten Wochen“. Ein stückweit einen Plan aufstellen, das gibt euch Sicherheit.

Durch die ambulante Geburt steht ihr ja auch in sehr engem Kontakt zur Hebamme, die kommt zu euch nach Hause und kann auch Fragen beantworten und helfen.

Wichtig ist noch zu schauen, ob die Hebamme die U2 machen kann oder euer Kinderarzt zu euch nach Hause kommen kann, damit ihr 2-3 Tage nach der Geburt keine großen Wege machen müsst.

 

Wie sieht es mit Spaziergängen nach der Geburt aus? Kann man wenige Tage nach der Geburt schon eine Runde spazieren gehen oder heißt Wochenbett wirklich liegen und nichts tun? Ich finde die Vorstellung nur zu liegen und nichts zu tun schon jetzt so schwer.

 

Langsam, ich würde erstmal eine Woche vergehen lassen und schauen wie es dir geht. Lass dich im Wochenbett verwöhnen, reduziere alles und lass es langsam angehen. Die Kinder werden wirklich unruhiger, wenn du mit Handy und anderen Dingen beschäftigt bist. Versuche eine Blase zu schaffen. Natürlich wird mal irgendwann ein wenig was im Haushalt machen aber nicht alles auf einmal. Nimm dich zurück und gib deinem Körper wirklich Zeit sich zu regenerieren. Du muss mit deinem Baby in Ruhe in der Welt ankommen. Es ist natürlich gut mal ein bisschen in der Sonne Vitamin D zu tanken aber nichts Überstürzen. Ihr könnt das Baby auch im Kinderwagen mal mittags mit Moskitonetz auf den Balkon stellen warm eingepackt und dort schlafen lassen.

 

Soll das Baby, wenn es tagsüber schläft in einem dunklen Raum schlafen oder kommen die Säuglinge gut mit dem Tageslicht zum Schlafen klar?

 

Die Kinder kommen mit Licht klar, bei greller Sonne wäre ich vorsichtig. Wenn Schlafenszeit ist, würde ich aber schon den Raum etwas abdunkeln, die kommen ja auch aus einer Höhle, zwar mit rötlichem Licht aber es war alles dort eher gedämmt.

 

Im Elternwerden-Kurs hast du uns empfohlen, das Baby zum Mittagsschlaf immer in das gleiche Bett zu legen, wo es auch nachts schläft. Das heißt ja ich benötige im Kinderzimmer erstmal das richtige Kinderbett gar nicht. Was würdest du sagen braucht man da wirklich an Schlafplätzen für die Erstanschaffung?

  

Du hast ja das Babybett im Schlafzimmer, in dem es immer schläft und du hast ja auch noch den Kinderwagen. Wenn du natürlich einen schönen Stubenwagen geschenkt bekommst, ist das ja ganz herrlich und schön aber brauchen tut man es in dem Sinne nicht.

 

Die einzige Vorstellung, die für mich mit Anstrengung verbunden ist, sind die schlaflosen Nächte und das „Ausgelaugtsein“ von dem alle sprechen. Gibt es da einen Special-Trick, den man sich vorher schon zum Thema Rhythmus was Stillen und Schlafen angeht?

 

Genießt erstmal den Lebensanfang und macht euch keinen Kopf was andere sagen. Schaut erstmal wie sie selber ist und schaut nur auf euch.

Schaut aber so ein wenig gemeinsam, also du und Toni wie wird euer Alltag sein. Das Baby spürt, ob ihr einen Rhythmus habt oder nicht, den kann man vorsichtig versuchen einzuführen. Erstmal würde ich aber nur schauen „Wie ist das Baby...“ und dann kommt das nächste.

 

Ich merke, dass es meinem Mann sehr wichtig ist auch ein paar verantwortungsvolle Aufgaben mit der Kleinen Übernehmen zu können. Ab wann könnte man abpumpen, damit auch Toni mal eine Flasche geben kann?

 

Es ist wichtig, dass du sehr sicher im Stillen angekommen bist und es dem Baby damit gut geht. Dann erst fängst du an abzupumpen, ich würde sagen zwischen 4.-8. Lebenswoche. Das kannst du aber auch mit deiner Hebamme absprechen, sie wird dich in den Thema eng begleiten.

Das Schöne ist, dass Toni sich auch um viele andere verantwortungsvolle Dinge kümmern kann. Er kann wickeln, er kann das Baby ganz häufig bonden, um eine Bindung aufzubauen. Dass er gedanklich nicht im Job ist, sondern beim Baby und das Kind genießen kann. Das ist das wichtigste.

 

Man liest überall, dass das Baby am besten ohne viel Schnickschnack, Nestchen etc. im Bett schläft, v.a. um den plötzlichen Kindstod zu vermeiden. Was ich mich nun aber frage ist, was tun, wenn wirklich so etwas eintritt?

 

Da solltet ihr vorher einen Säuglings-Erste-Hilfe-Kurs gemacht haben oder euch von Kinderarzt oder Hebamme einmal zeigen lassen: Du versuchst zu beatmen und eine Herzdruckmassage zu machen. Aber ganz wichtig: Einfach loslegen, wenn jemand in der Nähe ist der helfen kann: Notruf wählen lassen und du wirst dann auch telefonisch angeleitet was zu tun ist.

Meine Anregung ist daher immer wieder: Lasst es euch einmal zeigen, wie es geht. Und traut euch zu handeln. Nicht erstarren. Die Hebammen können euch das auch vorher einmal an einer Puppe zeigen.

Wichtig ist auch als Prophylaxe, dass der Raum nicht überhitzt ist! Eine Schlaftemperatur von 17-19 Grad ist optimal, das schaffen die wenigsten. Aber auch nicht zu warm anziehen. Im Nacken könnt ihr fÜhlen oder einmal die Temperatur messen. Aber nicht ständig und nicht panisch werden. Macht diese ganzen Notizen und Tracking-Apps bloß nicht. Du musst auch nicht aufschreiben, wann du wo an welcher Brust gestillt hast. Ihr werdet sonst verrückt. Die Babys brauchen keine Raupe die blinkt und auch keine Bären die Geräusche machen, sie brauchen das „Zuhause-Gefühl“, eure Stimmen und sonst nichts.

Wir haben heute immer mehr unruhige Kinder und die gab es früher in dem Ausmaß nicht. Das liegt zum Teil an der digitalen Welt und daran, dass die Kinder sich zu wenig bewegen und dass sie viel zu viel „Gaga“-Zeug haben. Es sind so viele neue Reize für das Kind in einem Raum, so viele Eindrücke sowieso schon da, da braucht das Kind nicht noch einen Spielbogen der blinkt, hupt und tausende Farben hat. Legt euch selber mal unter so einen Spielbogen und schaut, ob ihr das angenehm findet. Ihr werdet euch wundern.

 

Unser Babyzimmer ist jetzt eingerichtet und wir haben uns eher dezente Farben ausgesucht wie grau/beige/weiß und zartes rosa. Nun kamen die ersten Rückmeldungen dazu, das sei doch alles viel zu dezent, das Kind wird keine Farben lernen etc.

 

Nein, quatsch. Lass das so reduziert. Leg dich mal selber in das Babyzimmer und guck dir an, ob das für dich schön ist, das Kind entdeckt die bunte Welt noch genug. Das wird nicht dümmer und kann schlechter chinesisch lernen, wenn du buntere Farben kaufst. Taucht nicht in diese crazy Welt ein. Wenn du kein crazy Kind möchtest und ihr werdet bestimmt eine ganz süße entspannte Maus bekommen, dann lass das sein. Bei euch ist es so gemütlich und schön, lass das so.

Und über dem Babybett muss sowieso gar nichts hängen. Bett bedeutet ja, ich darf zu Ruhe kommen und wenn du da jetzt noch etwas Elektrisches hinhängst oder so, ich bin da kein Fan von. Natürlich gibt es auch nette dezente Sachen, ein kleines Wölkchen oder so, das ist ok. Aber das Kind soll die Möglichkeit haben zur Ruhe zu kommen und sich nicht so sehr nach außen zu orientieren. Wenn du nachts ein Mobile über dir hast dann kannst du auch nicht so gut zu dir selbst finden und runterkommen.

 

Was ist denn eigentlich mit einer Kinderwagenkette? Gucken die Kinder nicht sowieso die Bäume und alles draußen viel lieber an?

 

Vor allem ist es bei der Kinderwagenkette sowieso so, dass du dir die anguckst und nicht das Baby. Lass deinen Mann mal die Kette über dich halten. Das Kind sieht nichts davon sondern nur, dass da irgendwas ist, was sich permanent bewegt. Und wenn dann da noch ein Glöckchen und Gaga dran ist, dann ist das Baby danach überdreht. Wenn die Babys die Kette greifen können und zu Mund führen können ist das schön aber nicht zum Spazieren gehen. Leg die Kette dann eher auf die Krabbeldecke oder häng sie auf eine Seite in den Kinderwagen, dass das Kind tatsächlich etwas damit machen kann. Immer in deinem Beisein aber, bzgl. Der Strangulierungsgefahr.

 

Was hältst du vom Thema Schnuller? Da bin ich als Logopädin ja eher etwas vorbelastet.

 

Manche Kinder haben einen sehr ausgeprägten Saugreflex, nimm dir da nicht zu viel vor. Du wirst dir als Logopädin keine „Dauernucklerin“ antrainieren. Wenn das zwischendurch mal sein muss, ist es ja wunderbar. Ihr nehmt euch alle viel vor, warte erstmal wie das Kind ist. Nicht zu dogmatisch und verkopft an die Sache rangehen. Manchmal läuft es anders als wir uns vorher vornehmen. Aber du hast absolut recht, Dauernuckeln ist einfach für Schädeldecken, Kiefergelenke und Zungenstellung schlecht. Das weißt du besser als ich.

Am Ende schaut ihr instinktiv und probiert alles in Ruhe aus.


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